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Street Fotograf – Der Weg aus der Street Photography

Irgendwie fühle ich mich mit dem Label „Street Fotograf“ nicht mehr wirklich wohl.
Die Gründe sind vielfältig und ich möchte auch nicht detailliert darauf eingehen.

 Der geistige Ausstieg aus der Street Photography hat bei mir wohl schon vor langer Zeit begonnen. Ich sagte schon vor einiger Zeit Street Photography besteht aus 2 Wörtern.

Street

Mit Street ist der öffentliche Raum gemein. Das Leben auf der Straße. Besonderheiten des Alltags. Menschen in Alltagssituationen. Mensch und Architektur. Kurz das was wir sehen können wenn wir das Haus verlassen. Es hat also durchaus auch etwas dokumentarisches. Street Fotografen erstellen einen Bilderbogen des Lebens unserer Zeit. Das ist generell bestimmt nichts schlechtes.

Photography

Der Begriff Photography beinhaltet für mich in der Verbindung mit Street: Bildgestaltung, erarbeiten einer Szene bzw. das erzählen einer Geschichte. Wobei ich letzteres schon fast in die Ecke der Fotografie-Mythen stellen möchte. Das ist aus den Streetspezifischen Gründen natürlich nicht immer möglich. Ich selbst bin auch immer wieder weit davon entfernt.

Mein Problem mit Street

Der Begriff Straßenfotografie wird leider zu oft genutzt, um nach meinem Geschmack, Menschen zur Belustigung zur Schau zu stellen. Und diese Aufnahme dann als Dokumentation darzustellen.

Natürlich fallen dem Street Fotografen, wie anderen Menschen auch, die speziellen Menschen besonders auf. Ich kann mich noch an meine Anfänge erinnern. Mit zunehmender Erfahrung stellt man sich dann aber die Frage: „Warum ist ein sehr, sehr dicker Mensch ein Bild wert?“ Wobei das Dick stellvertretend für dünn, groß, klein, mit Krücke, Rolator, Blindenstock usw. zu verstehen ist.

Ich möchte hier jetzt nichts dagegen sagen das man spezielle Menschen Fotografiert. Aber muss man sie von der Bildgestaltung her Porträtieren? Ein Bierbauch an sich ist keine Dokumentation. Mann könnte sich doch wenigstens die Mühe machen den Bierbauch in Verbindung mit einer Schwangeren, einem Bioladen oder sonstigem zu setzen. Also den Versuch zu unternehmen mehr wie einen dicken Menschen ohne Bezug zu seiner Umwelt zu zeigen. Wenn man dieses Porträtieren der speziellen Menschen dann auch noch mit Bildern von Vivian Maier gleichsetzt bekomme ich echt zuviel.

Betelnder Straßenmusiker

Ähnliches stelle ich beim Umgang mit Obdachlosen und Bettlern fest. Ja diese Menschen gehören zu unseren Städten. Offensichtlich gehören Obdachlose zwingend zu einem christlich geprägtem und reichen Land wie Deutschland. Auch hier nehme ich ein gezieltes abschießen der Menschen ohne bildlichen Zusammenhang fest.Gewiss es gibt Streetler die sich mit den Menschen auseinander auseinander setzen und vor oder nach den Bildern mit ihnen sprechen. Das ist in der Scene bekannt. Für außenstehende sind die Bilder ohne Begleittext aber nur eine Freigabe schlafende auf Parkbänken abzuschießen. Dieses Negatvimage überträgt sich ja auch auf mich.

Ich könnte jetzt noch einige Beispiele aufführen ich denke aber es ist klar was ich meine. Die Kunstform der Street Photography wird sehr oft dazu benutz Menschen entgegen der bei uns üblichen Gepflogenheiten abzulichten und diese Bilder zur allgemeinen Belustigung zu veröffentlichen. Dieses Image möchte ich nicht haben. Der Street Fotograf sollte nicht diffamieren. In ferne Städte oder andere Länder fahre ich auch nicht um Menschen mit offenem Mund und verzogenem Gesicht beim essen zu knipsen um die Bilder dann fernab der Aufnahme zu zeigen. Ich möchte in Freiburg bleiben.

Ich sitze in der Street Fotografie Falle!

Einerseits kritisiere ich den Umgang mit unseren Mitmenschen. Gleichzeitig fotografiere ich selbst ungefragt Menschen. Ich werfe im Glashaus sitzend mit Steinen (Irgendwie nicht clever). Für mich ist das auch ein hinterfragen der eigenen Bilder. Ich habe in den letzten Monaten aus diesem Grund auch wenige Bilder veröffentlicht. Es ist ein innerlicher Kampf.

junge frauen auf bank

Ich erhoffe mir auch viel mehr Freiheit und Möglichkeit zur persönlichen und fotografischen Entwicklung wenn ich mich aus dem Genre der Street Photography verabschiede. Die unsichtbaren Grenzen und ungeschriebenen Regeln werden nicht mehr existieren. In Zukunft wird nur noch das Bild zählen. Meine besten Bilder sind schon immer aus dem Bauch heraus entstanden. Wenn jetzt auch noch diese selbst gewählte Einschränkung weg fällt sollte mir das gut tun.

Fazit als scheidender Street Fotograf

Unterm Strich wird sich also nach außen nichts ändern. Geändert hat sich die innere Einstellung und die banale Einsicht das ich kein Street Fotograf bin. Die Tatsache das ich es in knapp 3 Jahren nicht geschafft habe hier in Freiburg gleichgesinnte zu finden oder andere Fotografen für Street zu begeistern bestärkt mich darin. Das kann natürlich auch in meiner Person liegen, ich bin ja kein einfacher Mensch. Auch meine gesundheitlichen Einschränkungen tragen ihren Teil bei. Der wichtige persönliche Austausch auf Foto Walks ist mir nicht mehr möglich und bremst natürlich. Inzwischen habe ich mich aber daran gewöhnt alleine für mich zu fotografieren und merke wie ich mich immer mehr in mich zurückziehe. Fotografische eine sehr, sehr spannende Geschichte die bestimmt viel tolle Bilder hervorbringen wird.

So das war es dann mal. Ich muss noch ein bissel was vorbereiten. Ich möchte morgen mit meinen Minoltas (35 u. 58mm) gemeinsam unseren 49. Geburtstag feiern ;-).


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